Buch_TabletNun war ich wie jedes Jahr vor vier Jahren auf dem Publisher Forum in Berlin. Helmut von Berg, damals noch Direktor bei Klopotek, stand auf der Bühne und hielt ein Buch in der Hand, stellte es auf einen Hocker und gleichzeitig die Frage:
Wann ist ein Buch ein Buch?

Ich war schon damals von dieser Frage begeistert und stelle sie mir bei der Betrachtung von Inhalten auf elektronischen Lesegeräten oder zwischen zwei Pappdeckeln immer wieder neu.

Ein Buch im klassischen Sinne ist nur eine Form der Darstellung von Inhalten und eine sehr schöne dazu. Die jahrelange Kunst Texte und Bilder auf einer Seite so zu platzieren, dass ein Blick auf ein Papier, welches dazu noch eine sehr ansprechende Haptik hat, Begeisterungsstürme hervorruft, wird auch weiter eine Zukunft haben.

Aber wenn ich es ganz nüchtern – damit meine ich nicht die Anzahl der geleerten Rotweingläser – betrachte, und als Physiker mache ich dies oft, dann geht es nur um Inhalte. Wie und wo der Inhalt dargestellt wird ist egal, oder nicht? Die Darstellung der Inhalte ist der zweite Schritt, über den ich mir als Autor Gedanken machen muss oder ich beauftrage einen Buch-/Mediengestalter. Ich bin der Meinung, dass bei vielen elektronischen Publikationen die mediengerechte Aufbereitung der Inhalte aufgrund des Kostendrucks vernachlässigt wird.

Die neuen Möglichkeiten des Lesens, und ich denke hier nicht nur an den klassischen E-Reader, können schon bei der Verwirklichung von Ideen die Handlungen, Ansätze und Ergebnisse in eine andere Richtung gehen lassen. Inspiration dazu hatte ich bei der Betrachtung der Entwicklung und des aktuellen Standes der Plattform sobooks. Hier eine Diskussion zwischen Autoren und Lesern zu entfachen finde ich richtig gut. Nun, die Frage ist, ob das überhaupt, und wenn ja, bei welchem Buchgenre funktioniert. Auch in der Belletristik kann ich mir das gut vorstellen. Der/die Autor(in) seine Leser(innen) fragt, ob der Held den nächsten Teil erleben soll. Also „Lesen neu denken“, warum nicht? Das Thema Social Reading wird einen eigenen Beitrag ausfüllen.

Parallel zu diesem Artikel ist von dem Frankfurter Journalisten Martin Schmitz-Kuhl auf der Plattform sobooks das Buch Books and Bookster – Zukunft der Buchbranche“ veröffentlicht worden. Eine spannende Betrachtung von verschiedenen Experten aus der Buchbranche in die Zukunft. Parallel dazu wird in den nächsten Tagen dazu ein Buch erscheinen.

Schon 2014 gab es eine spannende Diskussion auf der re:publica 2014 zum Thema Buch und seiner Zukunft. Das Buch als Betriebssystem und damit als sich ständig ändernder Inhaltsträger ist sehenswert und auch lesenswert.

Für mich ist ein Buch die mediengerechte Darstellung von Inhalten egal, ob es zwischen zwei Pappdeckel, in einem Tablet, in einem E-Reader oder in meinem Browser auf dem Notebook ist. Nur spannend sollte es auf jedem sein.

Wann ist für Sie/Euch ein Buch ein Buch?
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