RENTACARORSOFTWARESeit geraumer Zeit gibt es eine Tendenz in der Softwareindustrie, welche ich einerseits gut, aber andererseits auch gefährlich finde. Es handelt sich um die reinen Mietmodelle in diesem Industriezweig. Heute geht es mir nicht um die Cloud-Modelle, denn dies ist hinsichtlich der Datensicherheit und der Datenhoheit eine andere Baustelle. Cloud-Modelle können sehr komfortabel und nützlich sein. Wenn ich diese nutze, dann gehe ich das Risiko bewusst ein. Diesen Artikel zum Beispiel schrieb ich in einer ersten Fassung mit Evernote, einem Cloud-basierten Dienst. Es handelt sich bei diesem Artikel nicht um Produktionsdaten, welche die wirtschaftliche Basis des Unternehmens darstellen, also nutze ich die Vorteile von Evernote.

Seit 2013 bietet Adobe als führender Softwarehersteller ein Mietmodell für seine Creative Suite an und nennt sie Creative Cloud (Abkürzung CC). Diese Software ist seit 2014 ausschließlich in diesem Mietmodell verfügbar. Obwohl der Marktführer und in einigen Bereichen (Publishing, Bildbearbeitung,…) der Marktbeherrscher, einen solchen Weg beschreitet, sahen und sehen viele nur die Vorteile. Mir geht es nicht um die vielen neuen Möglichkeiten  oder eine Aufrechnung der Lizenzpreise, sondern mir geht es um die Betrachtung der Möglichkeiten des Zugangs und der Verlässlichkeit der Daten.

Nach Ablauf der Mietzeit und Nichtverlängerung der Abonnement-Verträge verfügt man nicht mehr über seine Daten, wie sie einmal erstellt wurden.

Es ist also eine sehr weitreichende Entscheidung, wenn ich einen solchen Vertrag kündige. Ein weiterer Aspekt ist, die Verwendung älterer Dokumente bei Neuauflagen. Sehe ich alle Veränderungen, die auf eventuelle Updates zurückzuführen sind?

Ein Beispiel aus dem Arbeitsalltag mit InDesign soll das Problem veranschaulichen. Die Annahme ist, ich produziere seit 2014 in InDesign CC. Sollte ich mich 20XX entscheiden, meine zukünftige Produktion mit Hilfe eines anderen Programmes zu erstellen, dann muss ich die bis dahin archivierten CC-Daten in von anderen Programmen oder älteren Kaufversionen von InDesign lesbaren Formaten speichern. Nach der Konvertierung stehen mir wahrscheinlich nicht alle Funktionen von CC zur Verfügung, also kann das Layout auf einmal etwas oder etwas sehr anders aussehen. Bis vor Kurzem konnte man aus CC nur in das Austauschformat IDML abspeichern. Seit einiger Zeit, laut der Internetseite des Herstellers, ist das Abspeichern auch in der Creative Suite Version 6 natives Format möglich. Ein wichtiger Hinweis von Adobe, die Daten sind nicht mehr so wie sie in CC erstellt wurden . Das heißt, die kreative Arbeit bei der Produktion war umsonst und ich muss vor Ablauf des Vertrages alles in diese beschriebenen Versionen abspeichern, da ich sonst nicht mehr an die Daten herankomme. Um Schritt für Schritt einen Programmwechsel zu realisieren, ist es notwendig, bei Adobe jedes Jahr das Abo für mindestens eine Lizenz zu bezahlen.

Wenn ich mir ein Auto miete, dann kann ich nach Lust und Bedarf jederzeit auf ein anderes Auto umsteigen. Ein Auto transportiert meine Dinge und mich, das ist der Zweck eines Autos. Wenn ich aber mit einer Software eine kreative Leistung erbringe und nach Ablauf der Miete für die Software diese kreative Leistung, nur noch mit zusätzlichen Aufwand und eventuell nur mit veränderten Daten nutzen kann, dann wird das für mich zu einem Problem.

Sollte ich mit meiner These falsch liegen und ich habe das Feature nur nicht entdeckt, dann bin ich für jeden Hinweis dankbar.

Links zu dem Thema (manchmal auch etwas älter):

http://publisher.ch/dossiers_detail.php?read_article=5665
http://www.impressed.de/produkte.php?c=detail&prnr=1370&link=ndet&nid=100252


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